Arbeitende Arme
09.Dezember 2008
Die sinkenden Arbeitslosenzahlen der letzten zwei Jahre täuschen darüber hinweg, dass damit keineswegs das wichtigste Problem gelöst wurde, dass mit längerer Arbeitslosigkeit zusammenhängt. So ist ein Leben am Existenzminimum für Millionen der arbeitenden Bevölkerung nicht nur noch ein Problem, sondern eines, das sich beständig verschärft.Nach einer aktuellen Erhebung ist die Zahl von Menschen, die zwar arbeiten, aber trotzdem auf staatliche Unterstützung in Form von Harz IV angewiesen sind, erheblich gestiegen. Insgesamt benötigen fast anderthalb Millionen Berufstätige Geld vom Staat, da sie von ihrem Einkommen nicht existieren können. Ein Anspruch auf ergänzendes Harz IV besteht nämlich nur dann, wenn das Einkommen geringer ist als das der Anspruch, der sich nach den Regeln für das Arbeitslosengeld II ergeben würde. Die Agentur für Arbeit füllt in diesem Fall die Lücke auf, die zwischen Arbeitseinkommen und Harz IV - Anspruch besteht. Dabei sind vor allen Dingen die familiären Verhältnisse entscheidend, da sich der Harz IV - Anspruch im wesentlichen nach der Anzahl der Personen richtet, die in einem Haushalt, genauer einer so genannten Bedarfsgemeinschaft, leben.
Die meisten so genannten „Aufstocker” sind Arbeitnehmer, die einer geringfügigen Beschäftigung, also meist einem 400 - Euro - Job, nachgehen. Diese Art von Beschäftigungsverhältnis nimmt seit Jahren stark zu. Obwohl es eigentlich dazu geschaffen wurde, Spitzen beim Personalbedarf unbürokratisch abzufangen, dient es heute vor allem dazu, Vollzeitarbeitsplätze durch weitgehend sozialabgabenfreie Teilzeitbeschäftigung zu ersetzen.
Wer wenigstens achthundert Euro im Monat nach Hause bringt, muss am seltensten auf ergänzendes Harz IV zurückgreifen. Wer zwischen vierhundert und achthundert Euro verdient, muss naturgemäß häufiger auf staatliche Hilfe bauen. Dabei lässt sich an Hand dieser Einkommenszahlen nicht ermitteln, ob es sich dabei um Teilzeit oder eine Vollbeschäftigung handelt.
Die untersuchenden Wissenschaftler glauben, dass gerade deshalb so viele neue Aufstocker hinzu gekommen sind, da in der letzten Zeit viele ehemaligen Langzeitarbeitslosen zumindest wieder eine Teilzeitbeschäftigung gefunden haben.
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